Einmarsch der Gladiatoren. Wie es das Hofprotokoll verlangt, folgt der /8 mit gebührendem Abstand der S-Klasse.    Fotos(2): Oldtimerreporter.Gaubatz


Lebach wird einmal im Jahr zum Eldorado der saarländischen Oldtimerszene. Doch ein simples Oldtimertreffen? Damit ist es nicht getan. Die Stadt Lebach und der Verkehrsverein veranstalten zeitgleich eine Kirmes und einen verkaufsoffenen Sonntag. Für Unterhaltung, Speis' und Trank ist also bestens gesorgt. Aber wie sieht es auf dem eigentlichen Publikumsmagneten, dem Oldtimertreffen aus? Wir waren vor Ort.
Beginn der sonntäglichen Oldie-Schau ist auf zehn Uhr festgelegt. Halbe Stunde vor der Zeit, ist des Reporters Höflichkeit. Nichts. Aber kurz vor zehn glaubt man sich plötzlich im Taubenschlag, denn so geht es auf einmal zu. Einer nach dem Anderen passiert die Einfahrt, wird vom vereinseigenen Ordnungsdienst auf seinen Platz geschickt. Eine Platzordnung scheint es indes nicht zu geben, doch wenn man genauer hinsieht, dann erkennt man den Gedanken. Zwar stehen einige Marken zusammen, doch dazwischen immer wieder fremde Fahrzeuge. So entsteht ein...

...bunter Reigen klassischer Automobile. Aber damit nicht genug. Eine adrette junge Dame stellt die einzeln am Hauptquartier der Oldtimerfreunde Lebach vorbeifahrenden Protagonisten vor. Mit einem erstaunlichen Sachverstand, soufflieren muss dem Fräulein keiner. Da kommt zum Beispiel der Rekord P2 vorbei, dicht gefolgt vom Peugeot Pickup, der von einer Alpine A110 verfolgt wird. Die Kastenente folgt dem Käfer, dem ein Chevrolet Impala vorausfährt. Überhaupt, der Anteil amerikanischer Straßenkreuzer ist im kleinsten Flächenland der Republik, wo man eigentlich hauptsächlich Simca, Renault und Peugeot erwarten würde, erstaunlich hoch. Die Franzosen-Fraktion ist sogar wundersamerweise recht klein geraten.


Eigentlich sollte man im Saarland erwarten, dass der Anteil französischer Marken exorbitant hoch sein sollte. Weit gefehlt. Aber diese beiden "Vierer"-Renaults hatten sich auf den Weg nach Lebach gemacht.


Hier mal ein R4, da eine Caravelle, gegenüber eine Alpine und ein paar Meter weiter ein Peugeot 304 Cabriolet und ein paar verirrte Enten. Besagte Caravelle ist allerdings etwas unglücklich positioniert, wirkt sie doch neben den US-Kreuzern wie ein Kinder-Tretauto. Die Erhaltungszustände der Fahrzeuge sind genau so bunt gemischt wie die Exponate selbst. Aber wirkliche Rüben sind nicht dabei. Der Alltags-Granada steht einträchtig neben dem hochglanzpolierten BMW - ein 520 in Zederngrün. Die Farbe selbst würde alleine betrachtet schwere Psychosen auslösen, aber im Kontext mit diesem '79-er 5-er in einem fast tadellosen Zustand ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild. Ein hervorragendes Zeugnis seiner Epoche. Das kann eigentlich nur noch Alfa Romeos Giulia Super 1.3 toppen, bei der lediglich der Tachostand beweist, dass es kein Neuwagen ist. Denn rein optisch ist dieses Fahrzeug perfekt.
Absolut. Und so stehen sie einträchtig nebeneinander. Genau wie ihre Besitzer. Wie war das noch? Golf-Fahrer machen Kadett-Piloten platt? Klischee! In Lebach zumindest strafen die Besitzer der genannten Autos das Vorurteil Lügen. Aber nicht nur deren Anhänger unterhalten sich lebhaft und am anderen interessiert, auch der Besitzer des Ford Taunus TC '80 1.6L diskutiert mit der Besatzung der Renault Dauphine. Rainer Bastuck, der Vorsitzende der Oldtimerfreunde Lebach, bringt es auf den Punkt: „Wir sind eben eine große Familie, der Spaß am Oldtimer steht bei uns an erster Stelle.“
Und das merkt man beim Besuch des Treffens. Man kommt ohne Zögern ins Gespräch, das Gegenüber hat immer ein freundliches Lachen im Gesicht und ein fröhliches Hallo auf den Lippen. Wenn man dann noch das stimmige Rahmenprogramm mit musikalischen Darbietungen mit einbezieht, dann bleibt als Fazit nur: Nächstes Jahr geht’s wieder nach Lebach. Was sonst?

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