Reisegenuss pur: Frank Hartman und Marja Rijerse und ihr W 108.
Foto: Oldtimerreporter.Fröhlich


Es ist ein Klischee: Holländer trifft man überall auf der Welt, vorzugsweise mit dem Wohnwagen hinten dran und gern bei der Kaffeepause am Straßenrand. Wenn allerdings in Portugal ein W 108er Mercedes auftaucht - ohne Anhängerkupplung! - dann ist das ein guter Grund, nachzuhaken. Und überhaupt: Ein dunkelblauer Wagen mit ebensolchem Interieur: Ist das nicht irre heiß?
Frank Hartman und Marja Rijerse haben 3 Wochen Urlaub geplant, und der Benz war fester Bestandteil dieser Pläne. Auch wenn die Fahrzeugwahl bis zum letzten Tag auf der Kippe stand. Frank kommt aus Den Bosch (auch: 's-Hertogenbosch) und ist kein Mercedes-Novize. Seit 20 Jahren schraubt er an Untertürkheimern, in seiner Garage steht ein fast baugleiches Brüderchen des "Reisemobils", toprestauriert. Und damit sind wir bei einem Dilemma, das viele beschäftigen dürfte: Mit dem...

...Note-eins-minus-Auto traut man sich kaum mehr auf die Straße: Beim Supermarkt drohen Kollisionen mit Omis Einkaufswagen, in der Stadt sind die frisch verchromten Stoßstangen permanent im Visier von Qashqai-Anhängerkupplungen.
Daher wurde dieser 280 SE 3.5 mit Augenmaß restauriert: technisch top, aber immer noch für einen Straßengebrauch ohne Herzattacken. Und so präsentiert er sich heute im portugiesischen Alentejo: sehr gepflegt, aber nicht ohne Gebrauchsspuren. Der V8 gibt seinen süchtig machenden Sound in einer Gelassenheit ab, die sofort vermittelt: Die Anreise hatte den Charakter einer Spazierfahrt. Die einzige „moderne“ Neuerung, die Frank seinem Benz gönnte, war ein Tachomat von Waeco. Und er schwärmt: damit ist es mehr ein Schweben denn ein Reisen, geschweige denn Rasen!

Frank hat seine S-Klasse auf LPG umgerüstet, das ist in den Niederlanden wesentlich üblicher als bei uns. Der Besuch beim LPG-Spezialisten hat womöglich den Portugal-Urlaub vor einer Katastrophe bewahrt: der Mechaniker hat beim Nachmessen der Anlage (um sie optimal auf das LPG einzustellen) festgestellt, dass das Gemisch noch zwei Mal „nachzündet“ – laut Spezialist Gift für den Motor. Daraufhin hat Frank sich entschieden, auf elektronische Zündung umzurüsten, seitdem ist das Problem vom Tisch. Nur einen Wermutstropfen gibt es: Sein Autogas-Adapter passt in Portugal nicht. Läppische vier Systeme gibt es bei den Anschlüssen (Hallo Brüssel – wenn man euch mal braucht!).

Ein Ausstattungsmerkmal, das Frank und Marja selbstredend bei dieser Reise besonders schätzen, ist die originale Klimaanlage. Dabei war auch hier noch einiges Fachwissen gefragt. So sind die älteren Klimaanlage mit einem anderen Kühlmittel, und vor allem auch mit einem anderen Öl befüllt. Eine Mischung moderner und alter Mittel, selbst wenn nur Reste im System verblieben, führt zu Auflösungen von Dichtungen und damit zum Ausfall der Anlage. Auch hier hat Frank einen Fachmann gefunden, der sich 1a in der Materie auskennt. Somit ist auch von der Temperatur her erstklassiges Reisen gewährleistet.

 

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