En-Te-Vau - Fernseh-Service aus dem Land der Tsch'tis zu Besuch in Postdam.
Fotos(2): Oldtimerreporter.Eichbaum


Zwei Bauern, einen Korb Eier und ein Fass Wein sollte der Deuxcheveaux bekanntermaßen trocken und unbeschadet ans Ziel bringen – doch wenn es mal mehr zu befördern gab? Citroën erkannte rasch den Bedarf nach einem leichten Lieferwagen auf 2CV-Basis, und führte im März 1951 eingeführten den als Kastenente bekannt gewordenen Typ AU ein.
Von der Limousine hob sich der Fourgonette ab der B-Säule durch einen kastenförmigen geräumigen Laderaum mit zwei praktischen Flügeltüren am Heck ab. Dem folgten diverse AZU, 250er und 350er, bis im Sommer 1970 als finale Ausführung der Kastenente der Citroën AK 400 mit 2,27 Kubikmeter Ladevolumen und namensstiftenden 400 kg Zuladung debütierte. Im Rennen um die Gunst der praktisch veranlagten Kunden blieb der AK 400 bis Mitte 1978 und wurde anschließend von der Hochdachversion der Dyane namens Acadiane ersetzt. Die kleinen Citroën Nutzfahrzeuge fanden in Frankreich und der Schweiz oft Verwendung bei der Post und im Kleingewerbe, während der AK 400 in Deutschland gern als erschwingliches Wohnmobil genutzt wurde. Wer hierzulande einen Lieferwagen brauchte, besorgte sich eher einen VW Bus, einen Transit oder bei weniger Transportbedarf einen Kombi mit verblechten Fenstern – so er nicht im besonders frankophilen Saarland wohnte. Dort fuhr selbst die Polizei Peugeot. Westlich des Rheins...

...kaufte man im gleichen Maße patriotisch, und so wurde ein gewisser Monsieur Trouillet aus Denain, dem Hauptort des gleichnamigen Kantons im Arrondissement Valenciennes, auf der Suche nach einem Fahrzeug für seinen Rundfunk- und TV-Service beim örtlichen Doppelwinkelhändler fündig. Neben Tonband-Wuchtbrummen wie dem Thomson MB-945 hatten im Frachtabteil der Kastenente auch klotzige Röhrenfernseher wie Schneider CL5 oder die Geräte der niederländischen Marke Philips Platz. Wir erinnern uns: Vor rund 40 Jahren war die Flimmerkiste, ganz egal ob im PAL-, SECAM- oder NTSC-Standard oder noch in Schwarz-Weiß ein wertvolles Gut, das man bei Defekten durchaus reparieren ließ und nicht vergrätzt über geplante Obsoleszenz murrend zum Recyclinghof brachte und anschließend einen noch größeren Flatscreen anschleppte.


Sanssouci - die anspruchslose Kastenente war für ihre Halter ein sorgenfreies Nutzfahrzeug.


Vorliegender Citroën AK 400 lief zwischen 1974 und 1976 vom Band, erkennbar an den Rechteck-Scheinwerfern und dem Kunststoff-Frontgrill des 2CV. Letzterer wich zwar einem verchromten Ersatzteil, doch nach zahlreichen Jahren harter Arbeit darf sich einer auch mal mit etwas Glanz schmücken. Freilich knabberte der Zahn der Zeit hier und da am Erstlack, doch ist die herrliche Patina am Citroën Oldtimer garantiert nicht nachträglich erzeugt worden. Die große Kastenente bekam auch ein kraftvolleres Triebwerk als ihre Vorgänger – hier boxte der 602-ccm-Zweizylinder aus dem Citroën Ami 8 mit 35 PS und 46 Nm Drehmoment. Der unbeladen 640 kg leichte AK 400 erreichte so immerhin bis zu 100 km/h. Frontantrieb und Viergang-Revolverschaltung waren obligatorisch, die dem Schutz der kostbaren Fracht des Monsieur Trouillet gewiss dienliche weiche Federung ebenso.
Im Gegensatz zur Citroën 2CV-Grundausstattung trug der AK400 nicht das Einspeichen-Lenkrad, sondern das zweispeichige Volant von 2CV 4 und 2CV 6 samt deren Armaturenbrett mit großer Ablage. Zwei mit Kunstleder bezogene Sitze, komplettieren die Kabine des bei 251 cm Radstand 380 cm langen, 150 cm breiten und 185 cm hohen Citroën Transporters. Selbst bei einem Plattfuß musste Monsier Trouillet die hohe Kunst des Lebens nicht der noch höheren Kunst des Fluchens unterordnen, gestattete doch die clevere Ersatzrad-Klappe hinter der Fahrertür einen zügigen Reifenwechsel, ohne erst diverse Fernseher auf die Straße auszuladen. So einen Pfiffikus pflegt man natürlich und lässt ihn auch später nicht aus den Augen: Laut Kennzeichen ist dieser AK 400 immer noch im Département Nord mit der Ordnungsnummer 59 zugelassen – dort, wo seine Karriere einst nahe der belgischen Grenze begann.


Urversion: Eine "kurze" Kastenente mit Wellblech-Kasten - gesehen bei den Oldtimertagen in Berlin-Moabit. Foto: Oldtimerreporter.Haehnel

 

 

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