Gesehen in Bockhorn: der Opel GT in zwei klassischen 70-er-Jahre-Farben - links ein GT/J.                                                      Foto: Oldtimerreporter.Eichbaum


Warum legt Toyota wohl wieder einen Supra auf? Was für ein alter Hut, mit einem feschen Sportwagen Image und Modellpalette aufzupolieren. So entledigte sich schon vor 50 Jahren Opel des „Homburg“, des klassischen Spießerhuts der Opa-Generation. Vorhang also auf für den Ur-GT! Schließlich sind wir im Revoluzzer-Jahr der 68-er…
Gern aufgrund der optisch unverkennbaren Verwandtschaft mit der auch für US-Verhältnisse exaltierten Corvette C3 verglichen, stand der 123 cm flache Opel GT sofort unter dem Schutz seiner in der Zylinderanzahl stets doppelt so großen Schwester. Die in GFK gehüllte Corvette beschied sich auf einige V8-Benziner aus dem Chevrolet-Regal und protze mit etlichen Exklusiv-Triebwerken sowie Aufsehen erregender hinterer Einzelradaufhängung, beim GT war das traditionelle Blechkleid fest mit der reichlich konventionellen Bodengruppe samt Fahrwerk des Kadett B vermählt. Der Kompaktwagen steuerte ...

...auch den unpopulären 1,1-l-Vierzylinder mit 60 PS bei, der Rekord den 1,9-l-CIH-Motor mit 90 PS. Doch während die C3 bereits September 1967 eingeführt und zunächst wegen schludriger Verarbeitung sowie anderer Unzulänglichkeiten gescholten wurde, genoss ihr kleiner europäischer Abkömmling quasi Welpenschutz: Endlich ein erschwinglicher und auch flott gezeichneter Sportwagen, der im August 1968 ab 10.767 DM unter dem Claim „Nur Fliegen ist schöner!“ in den Handel rollte. Leute, haltet eure Hosenträger fest – wer hätte das von der für ihre Biederkeit berüchtigte Rentnermarke erwartet?
Der mit 155 km/h Spitze nicht herausragende GT 1100 wurde schon 1970 aus dem Programm genommen und durch den  Opel GT/J (J für Junior) ersetzt, der ohne Cordsitzbezüge, Ausstellfenster, Zusatzinstrumente und Chromtrimm anrollte.


Fünfzig Jahre wurden bei Opel schon einmal mit GT gefeiert. 2014 gab's diesen zum Jubiläum "50 Jahre Opel-Design" - gesehen in Rüsselsheim. Foto: Robert Basic


Mit Preisen ab 10.500 DM war der GT/J  ein echter Schnapper, der als Handschalter ebenfalls 185 km/h schnelle, reguläre GT 1900 stand im März 1971 bereits mit 12.210 DM in der Liste. Während die Manta-Fraktion später im zweifelhaften Rufe des dauergebräunten linken Ellenbogens stand, erfreute sich der vorlaute Volksmund über den rechten, scheinwerfergestählten Arm der GT-Fahrer: Jene unter um die Längsachse herausrotierenden Lampen mussten per kräftigem Zug am Hebel  aus ihrer Schlafposition gebeten werden. Bei der Corvette gelang das viel kommoder via Vakuum…

Doch das machte nichts, in deren Mutterland erfreute sich der über die Händler der Schwestermarke Buick ebenfalls als Volkssportler vertriebene Opel GT stabiler Nachfrage: Mehr als die Hälfte der Gesamtproduktion von 103.463 Exemplaren ging in die USA. Ascona und Manta A waren dort nicht sonderlich begehrt, der als „Baby-Corvette“ gelobte und nicht etwa geschmähte GT erfreute sich indes einer schnell wachsenden Anhängerschaft. 1973 wurde die Produktion des Opel GT eingestellt. Einerseits hatte die Automobilsparte von Brissonneau & Lotz nach dem Kauf durch die mit Renault verbandelte Société des Usines Chausson, die Lieferverträge für die OPEL GT-Karosserien ob der –allerdings reichlich herbeigeredeten – Rivalität zur Alpine A110 aufgekündigt, andererseits waren auf dem wichtigsten Exportmarkt neue Sicherheitsvorschriften in Kraft  getreten. Die darin geforderten energieabsorbierenden Stoßfänger hätten den filigranen Opel in höchstem Maße verunstaltet, auch daher, dass sie deutlich höher als dessen ursprüngliche Stoßstangen sitzen müssten. Tja, besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Zum Güldenen Jubiläum gratulieren wir aber dennoch recht herzlich!


GT-Derivat 1972: Als der Diesel sportlich wurde und noch nicht in Verruf war, brach dieser Opel 18 internationale und zwei Weltrekorde für  Dieselfahrzeuge. Der Diesel-GT erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 197 km/h. Damals eine tolle Leistung, heute lacht jeder wildgewordene Turbo-Diesel-Vertreterkombi über den Wert...                                                                         Foto: Axel Schwenke


 

Und so warb Opel einst für den GT - in Kinos und im TV:
Video: OPEL

 

 

 

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