…..ein kluger Mensch sagte einmal: Mut steht am Anfang des Handelns, das Glück am Ende. Nun gibt es verschiedene Arten, Mut zu beweisen. Die einen springen vom 10m-Brett, andere essen Maden und wiederum andere schauen sich freiwillig Trash-Sendungen an. Dann gibt es da noch die besonders Mutigen, die aus einem Fahrzeug von der Stange eigenhändig ein absolutes Unikat zaubern. Der Schreiberling weiß, es gehört eine Menge Selbstvertrauen dazu, sich vorzustellen, wie das Produkt am Ende aussieht. Und es auch umsetzen zu können…
Die Spalten...
der Kleinanzeigen sind voll von kläglich gescheiterten Umbauversuchen, die verschämt und kleinpreisig angeboten werden. Doch immer wieder tauchen auch sensationelle Ergebnisse auf, die dem Betrachter die Kinnlade weit öffnen. So wie im Fall des T4 mit Wohnanhänger von Alexander Wischnewski, Zugfahrzeug 5,07m Länge, Anhänger 6,08m, insgesamt vier Achsen und ein ausgeklügelter Innenausbau. Selbst geplant und umgesetzt, versteht sich. Im Inneren für alles und jedes ein Fach. Der Regenschirm findet ebenso einen sicheren Halt wie das Latte-Macchiato-Glas. Selbstverständlich findet sich auch eine Liegegelegenheit, die bei Bedarf von einem Tisch ersetzt wird. Das Mobiliar ist ultra-leicht, das sogenannte Paulownia-Holz hilft dabei. Leichtbau muss sein, damit die Zuladung sich nicht auf einen Koffer und ein paar Schuhe beschränken muss. Bei all dieser Raffinesse stellt sich die Frage: Wie kommt man zu dieser ungewöhnlichen Idee? Nun, der Anfang dieser Geschichte ist ein Caddy. Nein, nicht der Taschenträger beim Golf. Obwohl Golf tatsächlich passt, ist hier doch die frühere Pickup-Variante des Wolfsburger Erfolgsmodell gemeint. Solch ein Fahrzeug besitzt Alexander Wischnewski lange Jahre und dieselt damit 680.000km zufrieden durch die Gegend. Na ja, so ganz zufrieden nicht, es fehlt noch etwas. Da gibt es doch… 
Der "Truck" von Alexander Wischnewski geht glatt als Meisterstück für Karosseriebau durch... Fotos:Oldtimerreporter.Müller
so eine verboten gute Firma, die einen verlängerten XXL-Caddy mit einem Kraftwerk unter der Haube herstellt. Da könnte man doch… noch einen Kasten aufsetzen für eine ordentliche Schlaflänge. Wie alles Schöne hat die Sache einen Haken: Den Preis. Bei einer Handvoll gebauten Exemplare ist klar, dass das kein Sonderangebot wird… Weiteren Gedankenspielen setzt ein Zusammenstoß ein Ende. Kurzfassung: Kleinbus rauscht in Caddy, Caddy bohrt sich in Kleinwagen, Ergebnis allgemeine Kaltverformung. Der Caddy wandert in die Garage, Teile zum Neuaufbau werden geordert – und bleiben liegen. Ein Jahr, zwei Jahre, immer ist irgendetwas wichtiger. Schließlich erbarmt sich ein Freund des Hauses der Caddy-Reste und zeigt sie nie wieder her. Macht nichts, es findet sich bald ein guter Trost. Um 2003 herum laufen die letzten VW T4 vom Band, bei VW zeigt man sich gnädig beim Abverkauf der letzten Modelle. Schließlich scharrt der T5 schon mit den Hufen! So gelangt Alexander Wischnewski fast verboten günstig an einen neuwertigen T4 2,5 TDI mit langem Radstand und 102 PS-Diesel. Ein wahres Arbeitstier zunächst, besonders nach der Gründung eines Kleinunternehmens „AWK Expresstransporte“. 10 Kartons Express nach Venedig? Kein Problem. Morgen früh in Kiel? Klar. Der T4 macht´s mit, klare Sache. Irgendwann sehnt sich sein Besitzer allerdings nach etwas mehr Optik am Bus. Gesagt, geplant. Natürlich gibt es für solche Fälle fertige Bausätze mit allem, was man sich so wünscht. Solche Dinge haben meist nur zwei Haken: Wenn sie schon uneingeschränkt gefallen, tragen sie ein Preisschild, dass auch aus einer Edel-Apotheke stammen könnte. Oder sie gefallen als Ware von der Stange nicht 100%ig, dann muss der Fan selber ran. So auch hier: Spoiler und Verkleidungen werden eingekauft und dann bearbeitet.
Das kann heißen, auftrennen in der Mitte, GFK-Verbreiterung anfertigen/neu einsetzen und neu lackieren. Und das einmal rundum, bitte. Innen ersetzen Sitze mit Feinvelours-Mittelbahnen das Originalgestühl. Der Dachhimmel wird ebenfalls feinvelourig. Weiß ist weiß, schon klar, aber perlmuttweiß ist noch einmal eine andere Hausnummer. Deswegen erhält der gute T4 ein frisches Farbkleid in perlmutt. So weit, so gut. Aber da war ja noch… So ein Wohnanhänger. Eine größere Zugmaschine braucht natürlich auch einen gescheiten Anhänger mit ordentlich Platz darinnen. Spielzeug am T4 taugt nichts. Also auch hier wieder: Gesagt, geplant. Zeichnungen, Anleitungen, Fotos, im Laufe der Zeit entsteht eine Arbeitsmappe mit dem Gewicht eines Kanaldeckels.

Nix Kühlbox mit Coladose...in dieser Bar gibt's alles, was das Herz begehrt.
Klar, auch hier ginge es mit dem holländischen Maßschneider van der Stang. Ist aber reizlos. Und zu gewichtig, am Ende des Fertiganhängers reicht die Zuladung nur noch für Handgepäck. Man nehme also: Zwei T4- Bushälften, einen originalen Fahrzeugboden, etliche Stahlprofile, ein Rahmengestell, zwei Achsen, eine V-Deichsel und und und…
Die erste Herausforderung besteht also darin, die Spenderfahrzeuge an den richtigen Punkten (B-Säule/B/C-Säule) aufzutrennen und miteinander zu verschweißen. Fahrzeugboden auf dem Rahmengestell an 86 Punkten fixieren, Achsen am Fahrzeug montieren, ebenso die Deichsel, Verstärkungen einbauen und und und… Zwischendurch immer wieder neu umdenken und immer schön den TÜV-Ingenieur einbeziehen. Wäre ärgerlich, wenn das Ganze zum Schluss an 10 Schrauben mit falscher Festigkeit scheitert… Irgendwann steht das Grundgerüst des Anhängers, jetzt noch die Lackierarbeiten – natürlich perlmuttweiß. Ebenso wie die Anbauteile, die in bewährter Manier entstehen: GFK eigenhändig. Do-it-yourself natürlich auch der Innenausbau, inzwischen sind 1200 Arbeitsstunden vergangen.
Man rechne das in Lohnkosten hoch… Ob das ein Wertgutachten annähernd wiedergeben kann? 2019, nach zwei Jahren harter Arbeit, steht ein wahres Schmuckstück mit TüV auf dem Hof des Besitzers. Ein wahrhaftiges Unikat. Beinahe scheitert die Mission T4-Zug noch im letzten Moment. Die Anfahrt zum TüV-Gelände führt über eine Stadtstraße mit Fahrbahnverengung. Fahrt in Dreierkolonne. Reißverschlußverfahren mit Dreierkolonne. Reißverschlußverfahren mit 11,15m-T4… Einer der Mitfahrer schätzt die Dimensionen des VW-Schiffs leicht falsch ein und landet beinahe zwischen T4 und Anhänger… Allseitige Schweißausbrüche, leichte Erhöhung des Ruhepuls…
Alles ging gut, zweistündige TüV-Prüfung mit strahlendem TüV-Prüfer. Und strahlendem T4-Besitzer. DER Mut wurde belohnt!

Eindeutig: Für diesen Zug braucht man drei T4-Bullis als Ausgangsmaterial.






