Selbst im Klassik-Sport ist der Samba zuhause. Hier 2008 bei der Rallye des Monts du Lyonnais. Foto: Julien Bertrand


Ziemlich genau vor 40 Jahren wurde der Talbot Samba der Presse und dem interessierten Publikum vorgestellt. Gehalten hat sich das Derivat aus Peugeot 104 und Citroen LN 5 Jahre. Andreas Gaubatz schaut auf seine Samba-Erinnerungen:


Ach, was haben wir auf Partys gewartet. Gewartet, dass ER endlich die Klampfe zupft und seinen Hit „Samba pa ti“ zum Besten gibt. Der Startschuss zum Schmusetanz. Fragt man Carlos Santana, auf welches Stück er am meisten stolz ist, dann lautet die Antwort: „Samba pa ti“. Würde man den PSA-Konzern fragen, auf welches Modell er am stolzesten ist, dann kämen erst mal ganz viele andere Antworten bevor man den Samba nennen würde. Doch damit tut man dem kleinen Franzosen Unrecht.

1978 hat man in Sochaux ein Problem. Man hat den Chrysler-Simca-Talbot-wie-auch-immer Horizon auf den Markt gebracht, aus Sicherheitsgründen den Simca 1100 billiger gemacht und als Einstiegsmodell im Programm gelassen und den Simca 1000 in den Ruhestand geschickt. Schön und gut, aber nun hat die Marke keinen echten Kleinwagen mehr. Im Konzern tummeln sich zwar der Peugeot 104 und der Citroën LN, aber die Kunden von Chrysler-Simca-Talbot-wie-auch-immer schauen in die Röhre. Der rettende Einfall: Synergien sinnvoll nutzen. Denn der 104 und der LN sind weitgehend baugleich, die Produktionsanlagen sind da, also warum nicht? So wird also im Februar 1982 der Talbot Samba der Dritte im Bunde.
Gezeichnet wird die Karosserie im englischen Designbüro des Konzerns in Whitley, Coventry. Die Vorgaben der französischen Bosse sind streng, angeblich hat Sochaux eine „Design-Vorlage“ nach England geschickt, Vieles muss, der Kosten wegen, von den gallischen Geschwistern übernommen werden. Und doch schaffen es die Designer, ein modernes Fahrzeug auf die Räder zu stellen. Einzig ein längerer Radstand hat der Samba vorzuweisen, ansonsten sind viele Komponenten aus dem PSA-Regal entnommen. Der Samba ist der teuerste der Drillinge, aber er ist es wert. Mit seinen modernen Motoren erringt er sogar die Trophäe „Sparsamstes Auto Europas“, die er dem ewigen Rivalen Renault und dem bis dato sparsamsten Europäer Renault 5 abjagt. Auch Dank der modernen X-Motoren. Im Samba kommen drei Motoren zum Einsatz, im Basis-Modell LS der 954 cm³-Motor mit 45 PS, der 1.124 cm³-Motor im GL, der 50 PS leistet und der 1.360 cm³-Motor im Spitzenmodell GLS, der 72, beziehungsweise 79 PS hervorbringt. Während andere Talbot-Modelle sowohl in England als auch in Frankreich produziert werden, läuft der Samba ausschließlich in Poissy, in der Peripherie der Hauptstadt gelegen, vom Band. Um nun den Samba noch attraktiver zu machen, nicht nur im Verhältnis zur Konkurrenz, sondern auch gegenüber seinen Schwestern, schnippelt man ihm kurzerhand das Dach ab. Und hat so auf einmal das kleinste Cabrio der Welt. Gezeichnet von keinem Geringeren als Pininfarina. Das muss ja ein Erfolg werden.

Zumal Pininfarina in Sochaux keine unbekannte Größe ist, hat er doch schon vorher für Peugeot gearbeitet. Und der offene Samba kommt tatsächlich gut an, Pininfarina baut ihn genau 13.062 Mal.
Das Cabrio ist aber auch ein flottes Wägelchen, es gibt ihn nur mit dem 1.360 cm³-Motor, der 72, beziehungsweise 79 PS leistet. Als man 1984 den Samba leicht überarbeitet gibt es nur noch die 79 PS-Version. Darüber hinaus spendiert man ihm das Armaturenbrett des 104, einen Doppelvergaser und eine Dämmung der Motorhaube.
1984 beschließt PSA den Markennamen Talbot sterben zu lassen. Kurz zuvor hat man noch begonnen, einen Samba-Nachfolger zu entwickeln, doch aufgrund der Entscheidung contra Talbot lässt man das Projekt fallen, zugunsten des geplanten Citroën AX. Außerdem startet der neue Peugeot 205 richtig gut, wird zum Erfolgsgaranten und sogar zum Lebensretter des Konzerns. Wozu also noch einen Wagen dieser Größenordnung? 1986 kommt das Ende für den Samba. Nach 270.555 Exemplaren. Bis heute ist der Samba trotzdem ein ganz besonderes Modell. Stellen Sie sich vor, sie nehmen in einem Samba-Cabrio Platz, lassen sich den Wind um die Nase wehen und warten, bis ER die Klampfe zupft und „Samba pa ti“ aus den Lautsprechern ertönt.

 


 

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