Franzosenblech.de

"Franzosenblech" ist das Magazin aus dem Hause Oldtimerreporter, das sich mit dem "Savoir-Vivre auf Rädern" beschäftigt - und mit der Erkenntnis, dass Franzosen ein ziemlich entspanntes Verhältnis zu ihren Fortbewegungsmitteln haben - genau wie die Fans französischer Mobilität auf der ganzen Welt. Herzlich willkommen also bei "Franzosenblech.de" - gedruckt und im Netz. Foto: Oldtimerreporter.Haehnel

Der Renault 12, auf den ersten Blick bieder, doch sieht man genauer hin erkennt man einen gewissen Avantgardismus bei der Formgebung. Dieser R12 ist ein Modell der zweiten Serie, an der geänderten Front zu erkennen.
Fotos: Oldtimerreporter.Gaubatz


Zugegeben, ein nicht gerade schmeichelhafter Titel. Aber zutreffend. Im positiven Sinne. Denn ursprünglich war der „Douze“ ausschließlich für den nordafrikanischen Markt geplant. Und man konnte schließlich dem Lieblings-Feind Peugeot nicht kampflos das Feld überlassen. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. So auch beim Renault 12.

Mehr Auto braucht kein Mensch: Der Renault 4 CV wurde über 1,1 Millionen mal verkauft.
Foto: Berthold Werner


Anfang 1942, Boulogne-Billancourt. Eine illustre Runde um Fernand Picard, Entwicklungschef bei Renault, macht sich an die Arbeiten zu einem völlig neuen Gefährt. Die Idee dazu brachte der Chef selbst aus dem Deutschen Reich mit, im Rahmen der Berliner Automobilausstellung bekommt er eine Audienz bei Hitler. Der ihm Pläne des KdF-Wagens zeigt. Nun weiß Renault aber schon längst, dass dies nicht Porsches Idee ist, sondern auf Barényi und Ledwinka zurückgeht. Doch bevor er anfangen kann bricht der Krieg aus, Frankreich wird erobert und die Renault-Werke von den Nazis besetzt. Und zivile Projekte sind bei Strafe verboten. Was Renault nicht weiter schert, er will ihn, den französischen Volkswagen.
Aber der Krieg behindert die Arbeiten, und doch übersteht der kleine Wagen drei Fliegerangriffe auf fast wundersame Weise.

Ach, die neue Alpine ist ja so furchtbar groß und fett geworden? Kürzlich mal in den Spiegel geschaut? Beides gilt auch für den Durchschnittseuropäer, der in den letzten 50 Jahren auch mehr als zehn Zentimeter Körperlänge sowie einiges an Bauchumfang zugelegt hat. Und es kommt noch dicker...


Zugenommen: Die Ur-Version ist deutlich zierlicher. Foto: Renault


Klar, während die alte A110 nur gut 700 kg wog, wuchtet ihre Retro-Version derer 1.103 auf die Waage. Dafür kann man mit ihr bei abrupt ausgehender Straßenbreite aber auch mal gepflegt eine Wand küssen, ohne sofort schwarz gerahmte Zeitungsanzeigen zu riskieren. Während das Original sich eher wie ein nur lustlos getarnter Rennwagen mit Straßenzulassung erschien, verhält es sich beim Enkel genau andersherum. Das ist auch gar nicht verkehrt, denn bereits in der deutlich motorsportfreundlicheren Vergangenheit fand die Flunder zwar Kunden, aber nun auch nicht so viele, als dass Renault hätte das Unternehmen aus Dieppe schließlich nicht in finanziellen Nöten übernehmen müssen. Und wären komfortbefreite Leichtbau-Renner der jetzige Autotrend schlechthin, stünden Lotus, Caterham und Co. im Aktionärsfokus und nicht ein amerikanischer Ankündigungsmeister.
So. Da nun geklärt ist, dass...

Streckbank: Der Renault 10 (vorn) mit Brüderchen R8. Deutlich zu sehen ist die Verlängerung des Vorderteils.         Foto: Anders Svensson


Eine lange Schnauze mit schielenden Augen und vielen Ecken. Der mittlere Körperteil aufrecht, sehr aufrecht. Offensichtlich war hier ein Formgeber am Werk, der gewöhnlich Schrankwänden eine Gestalt gibt. Vier Türen, immerhin. Auch diese streng geometrisch gezeichnet. Das Spaltmaß der Karosse ist nicht ganz so geometrisch exakt, aber darüber kann der gewöhnliche Renaultist leicht hinwegsehen. Das Heck im 90-Grad-Winkel sehr harmonisch an den Rest angepasst. Es blubbert und summt darin. Da wird doch nicht? Doch, da ist. Da ist ein Motor versteckt, ganz ohne Zweifel. Wie weiland also im treuen deutschen VW werkelt auch hier das Antriebsgerät im Heck. Man sagt, dies sei nützlich für die Fahreigenschaften im Winter und schone die Ohren der vorderen Fahrgäste – schließlich summt das Motörchen etwa zwei Meter hinter und nicht direkt vor der Fahrerkabine.
Ob es in der Dordogne oder an der Cote d´Azur einen strengen Winter gibt? Nein, gewiss nicht. Aber in den Pyrenäen oder in den Alpen kann das schon anders aussehen, da schadet Grip auf der Achse sicher nicht. Und den Spaß kann das auch fördern. Mit Schwung in die verschneite Kurve gehen und quer wieder herauskommen – mit einem R16 geht das nicht. Manchmal passiert das mit dem Quertreiben auch eher ungewollt, wenn die Straße ein wenig feucht ist und der Fahrer ein Hunderstel zu schnell. Aber was soll´s, so sehr zu schnell ist Meister Langnase mit dem Cléon fonte im Heck meistens auch wieder nicht. Ein wenig Gegenlenken, und schon summt die Fuhre wieder geradeaus. So geht es auch im kleinen Bruder R8 und in den VW. Und was die können, kann der große 10er sowieso. Mit links.