Auch im aktuellen Renn-Trimm zeitlos schön. Der Melkus RS 1000. Fotos: Oldtimerreporter Eichbaum.


Der Lotus Elan inspirierte nicht nur zum Mazda MX-5: Auch der selbständige Rennwagen-Konstrukteur und ehemalige Rennfahrer Heinz Melkus ließ sich in den Bann des leichten Flitzers ziehen. Start frei für den sensationellsten Serienwagen der DDR!
Die Begeisterung führte schließlich zu einem Mittelmotor-Sportler, denn gleichfalls waren Ferrari und GT40 an dem durch seine Formel-Junior-Wagen bekannten Sachsen nicht spurlos vorbeigefahren – nur derart große Triebwerke schlicht nicht aufzutreiben. Also...

her mit einfacher verfügbarer Wartburg-Technik und -Mechanik. Auch die deutlich flacher gestellte Frontscheibe spendete der Eisenacher dem zum Rennsport-Einsatz extrem niedrig konzipierten Flügeltürer. Dem einfachen 1:10-Gipsmodell von Melkus Senior und seinen Söhnen Peter und Rudi verpasste der fähige Designer Stefan Scheitler von der Kunsthochschule Berlin-Weißensee unter Zuhilfenahme eines Windkanals den letzten Schliff, dann war es Zeit für einen Prototypen.
Auf einem schwer modifizierten Fischbauchrahmen ruhte die bei 245 cm Radstand 400 cm lange, 170 cm breite und 107 cm hohe Karosserie aus Stahlblech und GFK, das offizielle Debüt Ende April 1969 auf der „hallensia mobile“ in Halle/Saale war ein voller Erfolg.


Highspeed mit "Dreitopf-Power".


Ein paar kleine Änderungen später überzeugte die GT1 benannte Studie auch das für die Zulassung zuständige KTA. Es folgte die Genehmigung vom IFA-Kombinat aus Karl-Marx-Stadt, sodass die Heinz Melkus KG 1970 die Serienfertigung anlaufen lassen konnte. Die Karosserien fertigte zunächst Robur, dann die ebenfalls in Bautzen ansässige Firma Röder, während Serienteile wie komplette Motoren und Achsen vom VEB Automobilwerke Eisenach kamen.
Zum Preis von 29.800 Mark bekam der Kunde einen alltagstauglichen Wagen – allerdings musste er sich verpflichten, auch wirklich in Rennen zu starten. Kein Wunder, dass zwecks Ruhm und Ehre bald allerorts nach Kräften frisiert und optimiert wurde.


Rasende Feuerwehr? Nein! "Nur" Sicherheit im Renn-Cockpit.


Doch schon im Serienzustand war der mit einer Drei-Vergaser-Anlage und spezielle Auspuffsystem bestückte Tausender gut für 70 PS bei 4.500 U/min und 12 mkg 120 Nm bei 3.500 U/min, die er über ein angepasstes Wartburg-Getriebe mit fünf Gängen an die Hinterräder leitete. 200 Sachen Spitze waren mehr als respektabel, verzögert wurde mit Scheibenbremsen.
Die entstammten ebenfalls dem 353 und versteckten sich hinter verbreiterten Stahlrädern aus gleicher Quelle; in Rennen wurden leichte Elektron-Räder genutzt.
1979 war nach 101 Einheiten Schluss für den RS1000: Einerseits war die DDR so in Schieflage geraten, dass die Teilebeschaffung immer häufiger Probleme machte, anderseits war im gleichen Jahr auch die für den Melkus-Einsatz verbindliche Gruppe B5 abgeschafft worden. Kein Problem für den findigen Tüftler, der sich fortan weiteren Formel-Projekten widmete. 2006 legte Sohn Peter den RS zur Würdigung des väterlichen Lebenswerks wieder auf – erneut mit Wartburg-Dreizylinder und Flügeltüren, die nun ebenfalls aus GFK bestehen.

Auch Rennsport wird wieder betrieben, wozu spezielle Cup-Modelle mit Straßenzulassung bereitstehen. Für den Pisteneinsatz sind sie unter anderem mit einer Diagonalstrebe im Überrollbügel, zusätzlichen Aufnahmepunkten für die Sechspunktgurte, Feuerlöschanlage und einem Hauptschalter versehen. Diverse Komponenten aus Aluminium statt aus Stahlblech drücken gegenüber der reinen Straßenversion das Gewicht; ein aufgebohrter 1100-ccm-Motor mit gut 85 PS, kürzere Federn und eine geänderte Vorderachse für mehr Sturz steigern die Performance. Im Renntrimm wird wie früher der Endschalldämpfer durch ein einfaches Rohr ersetzt sowie offen statt mit Luftfilter gefahren. Wem vorliegende Flunder gehört? Peter Melkus höchstselbst, der darauf im RS1000 Cup antritt und dessen Sohn Sepp inzwischen die Firma übernommen hat. Wie der Vater, so der Sohn eben...

Und hier gibt's die Melkus-Termine 2019:
https://www.melkus-motorsport.de/melkus-eventkalender.html