Fast 50 Jahre Mäusebändiger - Rolands Topolino-Liebe hat ihm auch schon Rosen eingebracht. Fotos: Oldtimerreporter.Eichbaum


Zu seiner Präsentation 1936 war der Fiat 500 eine echte Sensation – das kleinste Großserienauto mit Vierzylinder, dazu noch wassergekühlt und erschwinglich. Kein Wunder, dass Fiat mit der Produktion nicht hinterherkam und Fertigungslizenzen vergab. Auch Arnhild und Roland sind von dem wegen seiner an Mickey-Maus-Ohren erinnernden Scheinwerfer „Topolino“ – Mäuschen – genannten Kleinstwagen begeistert.
„In meiner thüringischen Heimat fuhr der Arzt mit einem Topolino zu seinen Patienten“, legt Roland los. „Dessen stark eiernde Hinterräder beeindruckten mich als Kind so sehr, dass ich beschloss mir später auch einen zuzulegen.“ Er hielt Wort und hatte ab den frühen 70ern immer einen – selbstverständlich mit Rädern ohne Schlag.

„Zu DDR-Zeiten sah es mit Ersatzteilen es schlecht aus, ich habe mir zunächst vier einst von der Wehrmacht requirierte Wagen als Teileträger angeschafft. Aus Mangel an den verbauten M7-Bolzen habe ich sämtliche Gewinde auf M8 geschnitten. Auch die in der bis 1948 produzierten ersten Serie unzulänglichen Viertelelliptikfedern habe ich auf die späteren Langfedern umgerüstet, der Fahrkomfort nimmt so sehr zu.“  Teile für den allerersten Fiat Cinquecento – ja, der Kleine hatte bloß 569 ccm Hubraum – werden, wie der gelernte Dreher feststellte, inzwischen auch in Italien rar. Zwar hat sich sein Sammeln gelohnt, resümiert er, doch sind die von Hand angepassten Karosseriekomponenten untereinander vielfach nicht austauschbar.


Doch, doch! Die frühen Autos - besonders die Kleinwagen -haben ein Cockpit im Sinne des Wortes.


„Seit 1976 habe ich nun diesen 1936er Fiat-Simca, den ich in Vollrestaurierung auf Zustand 2 gebracht habe. Um Blech und Technik habe ich mich selbst gekümmert, Lack und Lederausstattung wiederum von Fachleuten machen lassen. Ganz bestimmt gibt es bessere Oldtimer, aber der Fiat hat mir einfach gefallen. Auf Treffen bildet sich sofort eine riesige Menschentraube, das Interesse an dem Bambino ist enorm. Auf der Haube unseres in der Clubhalle der Motorworld Classics Berlin ausgestellten 12-PS-Reihenvierers fanden wir am Ende des Tages gar einen Strauß Rosen.“ Das als Simca 5 vertriebene Lizenzmodell ist an den größeren Scheinwerfern leicht auszumachen, sonst aber im Wesentlichen mit dem italienischen Urmodell identisch. Roland, der schon weit vor der Wiedervereinigung in Oldtimerclubs organisiert war und Rallye-Erfahrungen bis in die CSSR gesammelt hatte, nutzt den Italo-Franzosen auch weiterhin für Rallyes. „Die Anreise absolviert der Topolino auf dem Hänger, das nur im dritten und vierten Gang synchronisierte Getriebe gestaltet das Fahren eher anstrengend. “
Diese Unannehmlichkeit, wirft Gattin Arnhild ein, hielte aber längst nicht jeden vom Kilometerfressen ab: „Im Jahr 2018 besuchten wir das Oldtimertreffen Miltenberg im Kreis Gransee. Dank tollem Wetter war es knüppelvoll, wir waren froh, den letzten Platz zu ergattern. Und der befand sich ausgerechnet neben einem anderen Topolino. Kaum zu glauben, aber Alberto und Barbara, mit denen wir sofort ins Gespräch kamen, waren mit ihrem 1948er 18-PS-Modell in dreitägiger Landstraßenfahrt aus dem norditalienschen Verona angereist. Wir haben uns so gut verstanden, dass wir den Abend gemeinsam in unserem Garten haben ausklingen lassen. Der Einladung der beiden in ihre Heimat zum gemeinsamen Besuch der Oldtimermesse Padua sind wir gerne gefolgt und wurden herzlich von Albertos Oldtimerclub begrüßt. Auch die vergangenen Weihnachtstage verbrachten wir gemeinsam und werden auch in diesem Jahr wieder viel zusammen unternehmen.“
Wie für zahlreiche andere Volumenfahrzeuge aus Vorkriegszeit ist die Nachfrage für den Fiat stark zurückgegangen, räumt das Besitzerpaar ein, der Wert trotzdem stabil geblieben. Selbst wenn es anders wäre: Wer schaut denn aufs Geld, wenn der Wagen zu einer wunderbar Freundschaft geführt hat?