Mini-Van: Dieser Lloyd LT 600 ist - neben anderen tollen Exponaten - in der Auto- und Uhrenwelt Schramberg zu sehen.
Foto: Oldtimerreporter.Haehnel


1919 in Bremen. Ein junger Ingenieur tritt ins Rampenlicht, der später als Automobil-Papst von sich reden macht : Carl Friedrich Borgward. 1890 in einfachen Verhältnissen in Altona geboren, ist er als Ingenieur bereits weit gekommen. Doch er möchte noch höher hinaus. Ein eigenes Auto zu bauen, das ist sein Traum. Die Ideen dafür sind vorhanden, der Traum muss sich noch gedulden. Borgward kauft sich zunächst in die Fabriken der „Bremer Reifenindustrie“ ein, zu Zeiten wirtschaftlichen Mangels ein hohes Risiko.

Doch Borgward wäre nicht Borgward gewesen, hätte er nicht ein untrügliches Gespür für die Bedürfnisse des Automobilmarktes gehabt. Er sieht sich in den Produktionshallen um und entdeckt den „Blitzkarren“, ein firmeninternes Transportgefährt.  Zwei Räder hinten, darüber ein robuster Pritschenaufbau, vorne ein Rad mit angeflanschtem Ilo-Motor. Borgward entdeckt eine Marktlücke, tauft den Blitzkarren auf den Namen „Goliath“ und bringt das Modell 1924 mit Erfolg auf den Markt. So hilft der Goliath mit beim ersten bescheidenen Aufschwung der Wirtschaft – und Borgwards Unternehmung. Ein Anfang ist also gemacht, aber der Traum des Baus eines „richtigen“ Autos ist immer noch da. Da ergibt sich 1929 die Gelegenheit, die nahegelegenen Hansa-Lloyd-Automobilwerke zu erwerben, zu jener Zeit ein Unternehmen mit großer automobiler Tradition. Das Tradition in jenen Jahren nicht automatisch die Kassen füllt, zeigt sich bald : Die Zahlen des Hansa-Lloyd-Konzerns sind tiefrot, es muss bald etwas geschehen.


Nicht nur ihre Fans sagen das: "Die Isabella ist der schönste Borgward, der je gebaut wurde."


Den ersten Schritt in die richtige Richtung sollen die Modelle Hansa 400 und 500 machen; Kleinstwagen mit endlich vier Rädern. Doch kaum sind sie auf dem Markt, werden sie durch die generelle Abschaffung der KFZ-Steuer durch die NSDAP auch schon wieder unattraktiv. Also müssen neue Pläne entworfen werden. Die Gedankenspiele C.F.Borgwards münden in seinen ersten ganz großen automobilen Erfolg : Die Hansa 1100 und 1700 erscheinen auf dem Markt. Elegante Linienführung, solide Vier – und Sechszylindermotoren – die Wagen kommen an beim Publikum. Zusammen mit dem Goliath/FW300, den 2000/2300 und den leichten LKW hat Borgward nun ein ausgewogenes Portfolio, mit dem er den nächsten Jahren zuversichtlich entgegen gehen kann.
Der 2. Weltkrieg verlangt Opfer von Borgward. Kettenfahrzeuge und Schützenpanzer sind nun primäre Produkte. Borgward gerät in amerikanische Gefangenschaft und steht nach seiner Entlassung vor einer zu 70% zerstörten Fabrik. Doch das hält den umtriebigen Borgward nicht davon ab, sich weiter der Automobil-Produktion zu widmen. Um ein Plus an Materialzuteilungen zu erhalten, teilt Borgward 1949 seine Firmen auf in die Einzelfirmen Borgward GmbH, Goliath GmbH und Lloyd Maschinenfabrik GmbH. In den nächsten 12 Jahren folgt nun ein Feuerwerk an unterschiedlichsten Modellen des Borgward – Imperiums. Da purzelt der winzige Lloyd LP 300 mit 10 Zweitakt-PS ebenso vom Band wie der luxuriöse Borgward- Hansa 2400, der Hansa 1800, LKW, Busse, der P100 und der Traum aller Mittelständler : Die Borgward Isabella. Sogar an den Bau von Hubschraubern möchte sich Borgward heranwagen, dieses Projekt scheitert jedoch kurz vor der Serienreife des ersten Modells.


Borgward-Werbetafel aus den Fünfzigern - als Reklame noch gezeichnet wurde.


Böse Zungen behaupten bereits zu jener Zeit, dass Borgward den Überblick über seinen Konzern etwas verloren hätte. Borgward bringt bereits 1952 ein Automatikgetriebe auf den Markt. Die Lloyd/Borgward Arabella versieht er mit einem wassergekühlten Boxermotor und Frontantrieb, sehr modern in jenen Tagen. Ausgerechnet dieses hübsche Automädchen erweist sich aber als erster Sargnagel für die Borgward – Konzerne. Sie erscheint zu früh auf dem Markt und präsentiert sich mit einigen Kinderkrankheiten wie z.B. undichten Frontscheiben („Aquabella“). Die Nachbesserungen kosten Borgward viel Geld, ohnehin ist die Produktion der Arabella ein Zuschussgeschäft. 1961 dann ist ein Tiefpunkt erreicht : Borgward benötigt hohe Kredite – und einen Bürgen dafür. Der Bremer Senat jedoch verweigert die Bürgschaft, Borgward muss mit seinem Imperium Konkurs anmelden. Ein Konkursverwalter, der zuvor ausgerechnet im Aufsichtsrat des Konkurrenten BMW saß, wird bestellt. Dieser Konkursverwalter ist sechs Monate im Unternehmen tätig und schafft es, das Unternehmen endgültig abzuwirtschaften. Borgward, Lloyd und Goliath sind endgültig Geschichte.