Zeitgeistig und zeitlos hübsch gleichermaßen: Dieser Intermeccanica Italia (und ex-Torino) Spyder von 1972 brachte es mit dem 5,7-Liter-Ford-Achtzylinder im vierten Gang auf 220 km/h.
Foto: Imago.Sebastian Geisler


US-Motoren in europäische Karossen zwängten nicht nur Iso, De Tomaso oder Jensen. Auch der Turiner Hersteller Intermeccanica schenkte sich die Entwicklung eigener potenter Aggregate. Nach Aufenthalten in den USA und Kanada zog der gebürtige Ungar Frank Reisner samt Familie 1959 nach Italien. Dort verdiente er dort zunächst bei der römischen Giannini Automobili S.p.A. seine Brötchen, bevor er in Turin die North-East Engineering Company gründete. Die wurde alsbald in Costruzione Automobili Intermeccanica S.p.A. umbenannt.

Nach der Fertigung von Tuningzubehör und Forme 3-Wagen folgte 1960 das erste eigene Straßenfahrzeug, der Imp mit Puch-Technik. Nächster Streich war der im Auftrag von International Motorcars von 1962 bis 1965 gebaute zweisitzige Apollo GT mit Buick-V8, so bildschön wie der namensstiftenden Gott der Künste, dass der hufteure Wagen nach Scheitern des ersten Anbieters fast unverändert als Vette Ventura offeriert wurde. Vom Apollo 2+2 Coupé abgeleitet wurde 1966 der Griffith GT mit Plymouth-V8, der nach rascher Pleite von Griffith Motors als Omega GT mit Ford-V8 für die Suspensions International Corporation weitergefertigt wurde. Gesamtzahl der Apollos inklusive aller Derivate bis 1968: gerade mal 134 bis 137 Exemplare.
Elegant war der von Franco Scaglione einst überarbeitete Wagen noch immer, und so langte es, für den Nachfolger namens Torino im Wesentlichen, die Front leicht aufzufrischen und Entlüftungsöffnungen in die Vorderkotflügel zu pressen. Der 1968 präsentierte Flitzer war ungeheuer elastisch im Anzug: Die AMS ermittelte 1970, dass die bella macchina im vierten Gang sauber von 22 km/h bis 220 km/h beschleunigte. Doch Namensrechtinhaber Ford untersagte nach 97 Einheiten die Nutzung von „Torino“, woraufhin die Bezeichnung in Italia geändert wurde. Unter dieser Bezeichnung wurden bis 1970 weitere 411 Fahrzeuge hergestellt. Den drei 1966 zu Ausstellungszwecken gefertigten Mustang Shooting Brakes folgten 1969-70 elf Murena GT, deutlich größere und luxuriösere Shooting Brakes mit 7,0-l-Big Blocks von Ford.

Als Ablösung des Italia fungierte der 1971 eingeführte Indra, optisch zwischen Corvette C3 und Ferrari 365 GTB positioniert sowie ebenfalls als Roadster und Coupé erhältlich. Gezeichnet erneut von Scaglione und konstruiert von Erich Bitter, war dem nun mit Chevrolet-V8 und Opel Diplomat-Technik bestückten Modell kein großer Erfolg gegönnt: General Motors ließ Intermeccanica Ende 1973 fallen, da ähnlich wie bei De Tomaso und Ford diverse Mängel der italienischen Fahrzeuge zu überhöhten Gewährleistungs- und Reparaturkosten führten; außerdem wurden Vertrieb und Service über das Opel-Händlernetz eingestellt. Auch Bitter brach mit Intermeccanica und zeigte mit dem sehr ähnlichen Bitter CD, der bei Baur in Stuttgart produziert wurde, wie ein solches Nobelcoupé sich durch hohe Qualität den Segen von GM sichern konnte.
Reisner versuchte zunächst noch, die erforderlichen Teile über die Opel-Händler zu beziehen, was jedoch mit sehr viel höheren Preisen einherging. Da weiterhin kein Vertrieb mehr existierte war, musste Intermeccanica um den Jahreswechsel Winter 1974/1975 nach 125 Indras die Produktion selbiger einstellen. Auch der Jaguar 100 SS-Replika wurde nach 50 Stück der Stecker gezogen. Die daraus resultierenden wirtschaftliche Schwierigkeiten und lockende Fördergelder vom Staat Kalifornien führten zum Umzug ins sonnige San Bernardino. Hier startete nach zwei Indras mit Ford-Triebwerken die erfolgreiche Erstellung von Porsche Speedster Replikas, zudem verdingte sich Reisner als gefragter Aufschneider der späten Corvette C3, des Foxbody-Mustangs und des Nissan 200SX. Ein Projekt mit Retrokarosserien auf Checker-Rahmen scheiterte 1980 nach drei Prototypen, da der Taxihersteller zu diesem Zeitpunkt seine Pforten schloss. 1982 wurde der Firmensitz ins kanadische Vancouver verlegt, 19 Jahre später verschied Frank Reisner. Seither leitet Junior Henry das Intermeccanica International genannte Unternehmen, das Nachbauten des Porsche 356 A Cabrios und des VW Kübelwagens feilbietet.