Lüdersdorf. Gottseidank haben einige helle Köpfe damals, kurz nach der Wende, nicht wie die meisten alles, was an den Osten erinnerte, entsorgt. Sondern haben, wie Dietmar Schulze, einige feine Stücke beiseite gestellt. Nach 10 Jahren hatte er eine nette Ansammlung von Traktoren und Landmaschinen beisammen und dachte sich: warum soll ich das für mich behalten. Sagt‘s und organisiert auf dem weitläufigen Grundstück des familieneigenen Landgasthofs ein Treckertreffen.

Das war im September 1999, das Wetter spielte mit und schnell stand der Entschluss fest: das machen wir öfter. Doch im Folgejahr machten Regen und eisige Temperaturen den Elan zunichte.  Wie nun weiter? Auf der Suche nach einem wettersicheren Termin kam man auf das erste Juliwochenende, allerdings war da schon ein Treckertreffen im Raum Leipzig. Die Lüdersdorfer haben sich kurzerhand mit den Lanzfreunden Sachsen verbündet , und seitdem finden die beiden Treffen im Wechsel statt. Beim 11. Lanz-Bulldog-Treffen, wie es offiziell heißt, ging der Preis für die weiteste Anreise, ebenso wie letztes Jahr, an Willi Voß. 430 Kilometer waren es von seiner Heimat Plönieshausen (zwischen Hamburg und Bremerhaven), sein Güldner A20 von 1951 hat die Tour anstandslos gemeistert, mit einer Höchstgeschwindigkeit von schwindelerregenden 18 km/h. Während er vor zwei Jahren eher aus Versehen im Rahmen seiner Deutschlandfahrt in Lüdersdorf gelandet war, kam Opa Willi, wie ihn hier alle nennen, dieses Mal ganz zielgerichtet. Mit 84 Jahren war er vermutlich gleichzeitig der älteste Teilnehmer des Treffens.
Kein Traktor, dafür aber besonders seltenes Stück ist die TV 12-Feuerwehrpritsche aus dem rumänischen Hause Rocar. Dort wurden hauptsächlich Omnibusse gebaut, nebenbei aber auch Kleinlaster. Der Betrieb firmierte von 1955 bis 1970 als Uzinele Tudor Vladimirescu, benannt nach einem rumänischen Revolutionär des vorletzten Jahrhunderts. Dieses Fahrzeug bekam zu Ostzeiten das VEB Presswerk Ottendorf-Okrilla (kurz PWO) zugeteilt. Weil man in dem VEB das dringend benötigte Feuerwehrfahrzeug jedoch nicht bekam, wurde dieser TV kurzerhand für die Werksbrandschützer umgebaut. Laut Eigentümer gibt es in Deutschland nur noch drei fahrbereite Fahrzeuge der Marke, wegen ihrer Anfälligkeit und Wartungsunfreundlichkeit ist der Rest nach der Wende schnell in Ungnade gefallen. Ähnlich des IMV Gasilec aus Jugoslawien, über den Oldtimerreporter-Autor Arild Eichbaum kürzlich berichtete, wurden auch die rumänischen TV zeitweise mit Renault-Dieselmotoren ausgestattet.
Etwa 340 Anmeldungen konnte Dietmar Schulze vorab verbuchen, doch so mancher kommt spontan nach Lüdersdorf, weiß er. So werden es um die 400 Fahrzeuge gewesen sein, vom Porsche Junior über Lanz Bulldog in allen Varianten bis hin zum K 700. Dazwischen standen mehrere Stationärmotoren sowie eine Gasturbine GT 027-1 zur Notstromversorgung, die auch live zu sehen war.
Traktorenfreunde schreiben sich das erste Juliwochenende 2020 in den Kalender, für Besucher eignet sich besonders der Samstag, da am Sonntag die Weitgereisten, die noch im Arbeitsleben stehen, schon beizeiten die Heimreise antreten.

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