American way of sports - mit Chewing Gum in den Federbeinen.
Fotos: Oldtimerreporter.Müller


Preisfrage : Welcher Oldie ist der Richtige? Gibt es einen eindeutigen Sieger bei der Frage nach DEM Oldie schlechthin? Zur Beantwortung dieser Frage begebe man sich auf ein großes Oldtimertreffen und erhalte die herausragende, absolut erfüllende und klare Antwort: Jein. Da versammelt sich alles, was bekannt und unbekannt ist, richtig alt neben Youngtimer, teuer neben Kassengestell und – groß neben klein.
Wir sehen ein Autobianchi Bianchina 500 Cabriolet, in real etwa 3m lang, gefühlt eher noch kürzer. 15 PS hat das Wägelchen, die italienischen Alpen dürften damit eine besondere Herausforderung gewesen sein. Man fragt sich, wie auch nur zwei Personen ohne klaustrophobische Anfälle in diesem Autochen gen Süditalien gebrummt sind. Na ja, im italienischen Sommer konnte man ja das Dach öffnen und sich Luft zuführen.
Ganz sicher aber werden...

...die Fahrer des Autobianchi nicht weniger Freude gehabt haben als die Besitzer des Ford Fairlane von nebenan. 5,30m amerikanischer Mittelklassewagen, im Motorraum ein abendfüllender V8 mit einem Hubraum, der sich mit Kubikzentimetern nur völlig unzureichend beschreiben lässt. 10 –Liter – Putzeimer wären hier wohl deutlich eher ein passender Maßstab. Im Kofferraum ließe sich problemlos die Bianchina von nebenan transportieren, horizontal. So als Zweitwägelchen für den Europa-Urlaub in Italien. Merke : 5,30m Auto lassen sich in den Gassen von Florenz nur mit erheblichen Blech – und Denkmalschäden rangieren.  Nicht bekannt ist, ob diese Tatsache zu schlechten Ford Fairlane – Verkäufen in Italien geführt hat.
Ein echter Verkaufsschlager in Italien (nicht nur dort) hingegen war der Fiat 500, der Volkswagen Italiens. Die italienische Maaaama besaß ihn ebenso wie der Gemüsehändler Luigi und der Bankdirektor Giuseppe. Die Mama transportierte damit ihre vielköpfige Kinderschar, Luigi seine zahlreichen Tomatenkisten und der Bankdirektor ganz diskret seine zahlreichen, nicht immer legal erworbenen Geldvorräte. Alles das mit 15 – 20 PS, ohne auch nur in die Nähe von Geschwindigkeit zu kommen – siehe Bianchina. Aber in den Gassen von Florenz… Sie wissen schon.
Ein deutlich schnelleres Vorankommen auf französischen Landstraßen garantierte da schon ein Renault Fuego TS. 96 Renault – genügend PS sorgten für ausreichend


Autobianchi:  Schleife drum, einpacken, mitnehmen und ganz doll  liebhaben!


Druck unter der schicken Haube. Aber das Wichtigste war dabei: Der Komfort darf nie zu kurz kommen. Sollen sich doch die Golf GTI- Besitzer mit ein paar PS mehr von einem harten Fahrwerk durchschütteln lassen, mon dieu, Monsieur Pierre im Fuego möchte es lieber kommod haben. So war der Fuego mit 96 PS meist nicht schneller als der Rost, der ihn rasant heimsuchte. Es heißt, man finde noch 25 zugelassene Fuego – TS – Modelle in Deutschland. Väterchen Rost hat ganze Arbeit geleistet offensichtlich.
Im sonnigen Kalifornien musste sich ein Ford Thunderbird mit solchen Schwierigkeiten wohl eher nicht plagen. Auch der Benzinverbrauch, der in schlechten deutschen Witzen immer den Besitz eines Tankanhängers notwendig machte, dürfte im Sonnenschein-Staat nicht von großer Bedeutung gewesen sein. 20 Liter auf 80 km? So what? Hauptsache V8, Hauptsache Motorsound, Hauptsache Kaugummi – Fahrwerk mit weichen Beinen. Den Ellbogen zum (vielleicht sogar elektrisch betätigten) Fenster hinaus, die Automatik auf „D“ und auf geht´s die Promenade entlang. Hierzulande gab es neureiche Umsteiger vom VW Käfer auf einen Thunderbird, dem Vernehmen kamen sie sich vor wie beim Umsteigen in einen Omnibus aus einer überdachten Seifenkiste.  
Bei wem es nicht zum großen Ami reichte, der musste sich mit einem Miniatur – Amerikaner begnügen. Ford P7b 17m 2000 V6, das Aussprechen des vollständigen Namens dieses deutsch-amerikanischen Straßenkreuzers benötigte deutlich länger als der Startvorgang des V6. Mildes Temperament, sanfte Aussprache, amerikanisches Kaugummi-Fahrwerk, rotbraunes Plaste – Interieur. Wer die Augen beim Fahren für kurze Zeit schloss, konnte sich für diesen Moment in den Straßen von San Francisco und nicht im Wanne – Eickeler Industriegebiet wähnen. Auf jeden Fall hätte er problemlos von Wanne – Eickel nach San Francisco cruisen können, der gusseiserne V6 hätte es klaglos mitgemacht.
Man erkennt, DEN Oldie schlechthin gibt es nicht. Es gibt aber immer wieder Gelegenheiten, sich an zahlreichen Modellen zugleich zu ergötzen. Das ist der wunderbaren Oldie – Szene und solchen Clubs wie US-Car-Pfalz zu verdanken, die solche Treffen mit Atmosphäre auf die Beine stellen. Ein Hoch und ein V8-Trommelwirbel dafür!  


Der Fuego TS: Schick, schön, komfortabel, superselten - wenn dieser bräunliche Farbton nur nicht so oft das Ende wäre...