„Der Käfer“ lautet der wenig kreative Titel des vorliegenden Buches. Gerettet wird er durch den erst auf den zweiten Blick ins Auge fallenden Untertitel: „Auto-Biografien“.
„Kaum ein Auto weckt so viele Emotionen wie der VW Käfer“ meldet der hintere Buchdeckel. Das dürfte unstrittig sein, und so haben Katja Volkmer und Joerg Lehmann Lebens-Geschichten rund um das Auto der Deutschen in den fünfziger  und sechziger Jahren zusammengetragen. Genauer gesagt: Joerg Lehmann sammelt seit Jahren Familienfotos mit dem Volkswagen. Um diese Fotos herum hat Katja Volkmer, eigentlich freie Journalistin, Geschichten gesponnen und aufgeschrieben. Da die Hintergründe vieler Fotografien nicht bekannt waren, sind neue, eigene Erzählungen entstanden. Ab und zu ist auch ein autobiografischer Vorfall dabei, wobei diese nicht gekennzeichnet sind und es mir offengestanden schwer fällt, die wahren von den erfundenen zu unterscheiden. Ich tippe mal auf „Ich hab noch einen Käfer in Berlin“ und „Afrika“, diese haben mir zudem besonders gut gefallen. Generell ...

...finde ich Geschichten um einiges prickelnder, wenn ich weiß, dass sie tatsächlich stattgefunden haben. Das Authentische stellt einen Mehrwert dar. Dafür ist die Auswahl der Bilder auf dem Fundus Joerg Lehmanns, der sich hauptberuflich mit Food-Fotografie befasst, einzigartig: keine altbekannten Werksfotos, sondern zeitgenössische Schnappschüsse, auf denen der Käfer eher Beiwerk denn Motiv ist. 88 Schwarz-Weiß-Fotografien sowie 70 in Farbe, meist aus den 50er und 60er Jahren, haben die Autoren auf den 208 Seiten verteilt.
Der Fotosammler fährt privat übrigens einen Brezelkäfer und betreibt das virtuelle Käfer Museum Berlin auf Facebook. Die Autorin ist inzwischen auf eine ganz besondere Art auch auf den Käfer gekommen. Die schönsten Geschichten schreibt eben immer noch das Leben.

Der Käfer - Auto-Biografien, Joerg Lehmann & Katja Volkmer
teNeues, ISBN: 978-3-96171-080-5, 24,90 €

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