Styling-Katastrophe oder einfach nur originell? Ein Doppelwinkel mit 50 Sitzen – Citroën-Komfort inklusive. Aber der Belphégor auf Basis der gleichnamigen LKW-Reihe brachte nicht den erhofften Erfolg. Fotos: Oldtimerreporter.Müller


Samstag, 8 Uhr, Quai des Pecheurs in Haguenau/Elsass. 80 Bus – Oldies aller Marken und aus allen Ecken Europas versammeln sich am Flussufer der malerischen Stadt. Ein Potpourri der Bus – Dekore unterstreicht die Szene;  hier der kleine Setra S6, verziert im spielerischen Stil der ausgehenden 50er, dort sein großer Markenbruder S215HD mit geradlinigen, aber eleganten Formen der frühen 80er. Ein Mercedes O321 in pastellgrün, ein FBW der Schweizer Post in kräftigem Gelb, ebenso der Mercedes L317 nebenan, ein Saurer in dezentem Grau direkt neben einem orangenen Mercedes O321. Dazu eine Symphonie der Motoren:

Der sanfte Henschel-Sechszylinder mit 90 PS, ein Mercedes V10 im bassigen Lauf, das heulende Kühlgebläse eines Magirus-V6, unterstützt durch sein metallisches Nageln, irgendwo in der Ecke räkelt sich ein Saurer-Motor hörbar die Müdigkeit aus den Kolben… Und, und, und! Ab und an sieht man ein recht deutliches Abgaswölkchen den Auspuffrohren entfleuchen, das Parfum alter Diesel-Motoren liegt in der Luft und hüllt die Szenerie in ein unvergleichliches Flair. Kameras werden zuhauf gezückt, um die Farben, Formen und Klänge der Bus-Oldies digital festzuhalten. Sie machen genauso gerne Station vor den rundlichen Formen eines Magirus O3500 wie vor der kantigen Gestalt seines Eckhauber-Bruders 150D10. Oder vor der mächtigen Figur eines Neoplan-Doppeldeckers in vollem Ornat.


Panhard, Hotchkiss, Hispano oder Somua lieferten die Motoren für die Chausson-Busse. Vor allem in den 50-er und 60-er Jahren waren diese Linienfahrzeuge überall in Frankreich anzutreffen. 1960 war der Hersteller von Renault übernommen worden.


Alleine der Rundgang über den Platz mit den Bus-Schätzen könnte also Stunden füllen, ohne eine Spur der Langeweile zu hinterlassen. Aber nun steht ein Aufbruch an : Die Klassiker fahren im Konvoi von Haguenau ins 35km entfernte Wissembourg, durch malerische Orte hindurch, deren Namen und Anblick zuweilen an Märchenwelten erinnern. Der Schreiber nimmt im Setra S6 Platz und genießt das antike Reisen in wunderbarer Umgebung. Hinten brummt der Henschel-Diesel sein sanftes Lied, gemächlich zieht die schöne Landschaft am Fenster vorbei.
Vom Verein Autocars anciens de france  um ihren Vorsitzenden Jean-Louis Eschenauer perfekt organisiert, klappt die Fahrt ohne Zwischenfälle. Auch wenn neuzeitliche Autolenker zuweilen wenig Verständnis und Geduld für die PS-schwachen alten Recken aufbringen… Aber das bringt den Oldie-Fahrer nicht aus der Ruhe!


Auf dem "alten" Blitz-Chassis wurden noch bis 1955 von verschiedenen Herstellern Bus-Aufbauten produziert. 


Zahlreiche Daumen am Straßenrand werden gehoben, man sieht nur fröhliche Gesichter, manch einer spendet eifrig Applaus.  In Wissembourg angekommen, streben die Passagiere sogleich in das benachbarte Industriegebäude. Was sie dort erwartet, lässt ihre Glückseligkeit gleich noch einmal um ein Vielfaches steigen. Der AADF hat im Laufe der letzten Jahre eine umfangreiche Sammlung an alten Omnibussen aller Art angelegt, die jedem Fan das Herz höher schlagen lässt. Etwa 100 alte Omnibusse aller Marken sind dort zu sehen, gerne natürlich französischer Herkunft, aber auch Mercedes und Setra sind vertreten. Der Erhaltungszustand der Fahrzeuge ist mal hervorragend, mal nahe der Verschrottungsgrenze. Aber möchte man einen buchstäblich einmaligen Mercedes O302 mit Sonderaufbau von Vetter deswegen dem Weg allen Irdischens überlassen? Beim AACF nicht.


Ein Bus von Renault? Ich dachte, die hätten nur R4 und R16 gebaut? Im Ernst: Dies ist eine Renault Galion Heuliez R2168 - ein Bus, der auf dem Chassis des Galion-Transporters mit Hilfe des Karosseriebauers Heuliez produziert wurde. Diese Ausführung mit der großen Kühlermaske  wurde von 1963 bis zur Einstellung der Baureihe 1965 hergestellt.


So versammeln sich im alten Fabrikdepot Raritäten und führen ganz nebenbei die verlassenen Hallen einer neuen Benutzung zu. Ob alle Pretiosen jemals wieder zu altem Glanz kommen werden, ist offen. Manches wie der MAN SG wirkt so, als seien die letzten Passagiere vor wenigen Minuten ausgestiegen und der Bus warte auf die nächste Tour. In jedem Falle wird die besondere Bus-Sammlung des AACF  in nicht allzu ferner Zukunft der ganzen Öffentlichkeit zugänglich sein, so lauten die Planungen. Bereits jetzt für jedermann zugänglich ist der PKW-Oldie-Treff des AADF in Wissembourg. Einmal monatlich (am ersten Sonntag) trifft man sich vor dem Busdepot in der Rue de Lauterbourg zu Benzingesprächen in netter Runde.
In Wissembourg beginnt nun – nach einem deftigen elsässischen Mittagessen – die Rückreise der Teilnehmer nach Haguenau. Und der Schreiber reist nun in einem Mercedes L317 über die Dörfer, voller bereichernder Eindrücke und Bilder. Eines wird immer wieder klar: Oldies sind das schönste Hobby der Welt – und Busse ein wunderbarer Teil davon!