Bagga faaaahrn... ein Fuchs-Bagger und ein Henschel HK 100-Kipper beweisen, dass sie heutezutage immer noch topfit sind.
Fotos: Oldtimerreporter.Müller


Sie haben schon immer nach einem fahrbaren Massagestuhl gesucht?  Einem Gerät, dass Sie mit 3400 Vibrationen in der Minute aufs Feinste durchknetet und dabei sogar von A nach B bringt?  Voila, hier auf der historischen Baustelle der IG historische Baumaschinen in Huttenheim finden Sie es:  Das Modell Straßenwalze! Fein austariert, lässt es auch weitere an der Strecke Anwesende selbstverständlich an den Vibrationen teilhaben. An jeder Einzelnen! Dazu ist dieses Gefährt noch höchst elegant gebaut und pflegt einen schlanken Fuß. Na, wäre das nicht etwas für Sie als Zweitwagen?
Für die kleinen Kinder, großen Kinder und Männer unter Ihnen (ja, manche sagen, dass Letztere das Gleiche sind) finden sich hier weitere herrliche Spielzeuge, die im Leben von wichtiger Bedeutung sind: BAGGER! In Studien wurde sicher schon bewiesen, dass Menschen, die ohne Bagger aufgewachsen sind, etwas in ihrer Entwicklung fehlt.

Es muss ein Mangel sein, niemals das Geräusch und den Anblick von Baggerschaufeln vernommen zu haben. In jedem Falle führt der Anblick eines (alten) Baggers reflexartig zu leuchtenden Augen bei den Kleinsten und den Großen. Ob der Arbeitsalltag eines Baggerfahrers in den 50ern und 60ern zu leuchtenden Augen führte, darf bezweifelt werden. Lautstarke Motoren, ohne Schalldämmung direkt hinter dem Fahrer platziert. Ein klappbarer Fahrersitz aus purem Metall, Sitzkissen sind etwas für Feiglinge. Genau eine Körperbreite Platz für den Fahrer, wobei dessen Umfang sicher nicht zu üppig ausfallen durfte. Ergonomie? Was ist das? Und wozu? Im Schwung des Aufbaus wurden solche Dinge als nicht allzu wichtig eingestuft.
Ebenso wenig war eine mühelose Bedienung von großer Bedeutung. Die Lenker eines Fuchs 301 – Seilzugbaggers, eines Krupp – Dolberg – Baggers oder anderen Schaufelgeräten durften damals ein Lied davon singen.  All diese Gefährte sind – sehr zur Freude des Publikums – an der historischen Baustelle zu sehen.
Sie verbinden die Firma Faun ebenfalls mit Baggern? Da liegen Sie richtig und übersehen doch einen kuriosen Teil der Faun – Geschichte: Den


Ob Armee, Katastrophenschutz oder Bauhandlung Schulze: Der Kraka schüttelte sie alle.


Faun – Kraftkarren, auch Kraka genannt. Eine Art frühzeitliches Quad fürs Grobe; vier gleich große, breite Räder, ein Fahrersitz und kein Verdeck. Ansonsten nur Raum z.B. für Zementsäcke und Blocksteine – oder für mutige Autoren, die den Ritt auf der Kanonenkugel wagen. Aufsteigen, irgendwo festhalten (oder auch nicht) und los geht´s. Nach einer Runde um die Baustelle weiß ich nun, wie sich so ein Zementsack damals gefühlt haben muss. Das nennt man dann wohl Schleudertrauma und Massage gleichzeitig! Ich beantrage nachträgliche Rehabilitation für alle alten (Zement)-Säcke, die mit dem Faun-Quad transportiert wurden. Zur Beruhigung begebe ich mich zunächst an den Stand mit der Miniatur-Baustelle. Hier drehen ferngesteuerte Mercedes- Kurzhauber, Liebherr-Bagger und andere Modelle auf einem kniehohen Sandberg ihre Runden. Man beobachte auch hier das Leuchten in den Augen der großen Kinder!Zu einer historischen Baustelle gehören natürlich auch historische LKW. Hier gibt es alles zu sehen, was das


Horch, was kommt von weitem an? Es kann nur ´n Magirus Eckhauber sein. Haben die damals eigentlich schon ein Soundstudio gehabt?


Herz eines LKW- Oldie – Fans begehrt :   Beispielsweise einen wunderbaren Magirus Saturn Eckhauber, dessen heulendes Kühlgebläse in früheren Zeiten zu Zehntausenden auf den Baustellen im Lande erklang. Heute löst dieses Geräusch noch immer einen wohligen Schauer in den Zuschauenden/Zuhörenden aus, ebenso wie die imposante Erscheinung des Eckhaubers. Ein schon damals eher seltener Anblick im LKW-Baustellenverkehr :  Ein Magirus Eicher, hier als Kippfahrzeug 120 D 7 erschienen. Einstmals versuchte sich der Traktorenhersteller Eicher im Bau und Verkauf von LKW von 6-7 Tonnen Gesamtgewicht. Die Eicher – Kunden verbanden Eicher aber nicht mit Lastkraftwagen, so blieb der Versuch erfolglos. Magirus – Deutz übernahm das Programm, veränderte die Optik ein wenig und brachte es als Magirus Eicher auf den Markt. Ein Riesenerfolg wurde es nicht, heute sind besonders die Bau – Eicher rar geworden. Umso bemerkenswerter dieser 120 D7 Eicher.


Power pur: Der fette Rundhauber darf als König der Baustellen seiner Zeit gelten.


Fehlen dürfen natürlich auch nicht die LKW aus der Mercedes – Palette. Fast schüchtern steht ein 323 – Kurzhauber neben seinem Enkel LN2 aus den Achtzigern. Dabei hat er zur Schüchternheit keinen Grund, waren er und seine 323 – Kollegen doch der Stolz vieler Existenzgründer seinerzeit. Eine imposante Erscheinung stellt der L312 – Fernmeldezug der deutschen Bundespost dar. Hut ab vor denen, die diese graue Eminenz täglich lenkten und rangierten!  Beinahe wie frisch aus der Mercedes – Vertretung präsentiert sich eine „schwere Haube“ von Mercedes. Wie stolz muss sich der heutige Besitzer fühlen und noch vielmehr der Erstbesitzer beim Abholen des Neufahrzeugs gefühlt haben?
Weitere Magirus-Eckhauber, ein wunderschöner Magirus 110 D7, ein MAN- Hauber, eine Kramer-Zugmaschine, Hanomag – Henschel F150 uvm. Und ein wahrer Held der Arbeit :  Ein Robur – Kipper! Die Aufschrift auf dem Gefährt lässt vermuten, dass es einstmals einer Feuerwehr-Brigade irgendwo in Karl-Marx-Stadt oder Lübnitz diente.  All diesen kleinen und großen Fahrzeugen ist eines gemein : Sie funktionieren auch heute noch tadellos. Das beweisen sie beispielsweise an der eigens aufgebauten Baustelle. Oben auf dem großen Sandberg thront ein Zeppelin Z216- Bagger und baut zuverlässig eine Schaufel nach der anderen den Berg ab.  Zu seinen Füßen, Verzeihung, Ketten warten dienstbeflissen Magirus Saturn, Henschel, Hanomag Henschel, MAN, Magirus Eicher und viele mehr auf den Abtransport der sandigen Ware. Um diese Szenerie herum „wuseln“ Mini- Radlader vom Schlage eines Kramer 112 SL , alte Muldenkipper – und natürlich das Faun – Quad.  Die Luft ist erfüllt von den Klängen alter Dieselrecken, vom Geruch und Grobstaub- Auswurf der damaligen Dieseltechnik, von den wahrhaft vollkommen mechanischen Geräuschen alter Mechanik. Elektronik darf und muss heute zuhause bleiben. Und man kann sagen:  Sie fehlt auch zu keinem Moment.


Deutsche Bundespot - Fernmeldeamt. Damals mausgrau, heute als Telekom AG magentafarben.
Die Mess- und Werkstattwagen waren und sind als selbstfahrende Arbeitsmaschine zugelassen. Und deshalb auch auf historischen Baustellen willkommen. Schließlich mussten ja auch irgendwann zu einem Neubau Telefonkabel verlegt werden.