Bereits 1951 auf der IAA vorgestellt: der elegante und für seine Zeit moderne Rundhauber. Leider ist er im Gelände nicht ganz verwindungsfest. Fotos: Oldtimerreporter.Fröhlich


Die Geschichte von Magirus ist durchzogen von Kooperationen, Firmenzusammenschlüssen und Übernahmen. Dies alles zu beleuchten füllt vermutlich mehrere Regalmeter. Daher folgt hier nur ein stichpunktartiger Abriss. An aller Anfang stand Conrad Dietrich Magirus, geboren 1824, der schon in jungen Jahren die Leitung der Ulmer Turnerschaft übernahm. Unter „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn ging es nicht nur um den Sport, sondern auch um gesellschaftliches Engagement. So standen die Turner deutschlandweit an der Wiege des Feuerlöschwesens.

Ebendort begeisterte sich Magirus für die Löschtechnik und entwickelte neue Geräte. Hieraus entstand 1909 die Firma C. D. Magirus. Das Unternehmen war richtungsweisend im Bereich des Feuerwehrleiterbaus, beginnend bei der Entwicklung und Optimierung von fahrbaren Leitern bis hin zu kompletten Drehleiterfahrzeugen, wie wir sie heute noch kennen.
Für diesen Bericht picken wir uns die fünfziger und sechziger Jahre heraus, als Magirus erst mit dem Rundhauber, später mit dem Eckhauber seinen Siegeszug um die Welt antrat. Als erste Generation der Eckhauber gelten die direkt nach dem Zweiten Weltkrieg gebauten Fahrzeuge mit der langen, schmalen Haube. Darauf folgte der auf der IAA 1951 vorgestellte elegant und modern gestaltete Rundhauber.
Die neue Konstruktion  bot eine verbesserte Kühlung und bessere


Eckig war zuerst - denn eckige Hauben gab es schon in den frühen Vierzigern unter dem Namen Magirus. Hier eine Ausführung der zweiten (Nachkriegs-) Generation der Eckhauber.


Erreichbarkeit der Aggregate. Zudem ist das Fahrerhaus an vier Punkten gummigelagert und hat damit keine metallische Verbindung zum Rahmen. Dadurch wirken erheblich weniger Lärm und Vibrationen auf den Fahrer ein. Dank der aufklappbaren Sitzbank sind weitere Aggregate bequem erreichbar. 1953 präsentierte Magirus die erste Kraftdrehleiter, bei der alle Bewegungen hydraulisch angetrieben wurden.
Die Rundhauber gab es mit luftgekühlten Vier-, Sechs- und Achtzylinder-Motoren mit bis zu 170 PS. Die Produktion der Rundhauber lief im Großen und Ganzen bis 1967.Die Erfahrung lehrte jedoch schnell, dass die Rundhauber im schweren Geländebetrieb den Verwindungen nicht standhielten, so wurde bereits 1953 der Eckhauber der zweiten Generation für allradgetriebene Fahrzeuge eingeführt.
Nur für die Feuerwehren wurden die Rundhauber weiterhin mit Allrad ausgestattet. Mit den neuen Eckhaubern wurden eine Trans-Sahara-Fahrt nach Belgisch Kongo sowie durch den Nahen Osten durchgeführt, was den Ruf der Unverwüstlichkeit der luftgekühlten Motoren in der Dritten Welt nachhaltig zementierte. Bis heute findet man sie in den abgelegensten Winkeln der Erde. Ab 1970 wurde der Eckhauber erneut modernisiert, man spricht jetzt von der dritten Generation. Unter der Ägide von Iveco wurden sie in Deutschland bis 1993, weltweit bis 2003 vertrieben.
Gegen den Hintergrund der Magirus-Firmengeschichte ist es nur recht und billig, dass wir uns zur Beleuchtung der Rund- und Eckhauber zwei Feuerwehrfahrzeuge ausgesucht haben. Diese Fahrzeuge werden nicht nur von einem aktiven Feuerwehrmann gehegt und gepflegt, Wolfgang Kotsch aus Beelitz ist außerdem als Feuerwehrhistoriker aktiv. Mehr Kompetenz geht nicht.


Kompetenz pur: Wolfgang Kotsch aus Beelitz ist nicht nur Feuerwehrmann, sondern auch aktiver Feuerwehrhistoriker. Er hegt und pflegt die beiden Magirus in seinem Besitz.


Sein Mercur 120 D Rundhauber ist mit einem luftgekühlten 7,4-Liter-V6-Dieselmotor mit 120 PS ausgestattet, seine feuerwehrtechnische Bezeichnung lautet TLF 16, also Tanklöschfahrzeug (mit 2400 Liter Wasser) mit einer Pumpe, die eine Förderleistung von 1600 Litern pro Minute hat.
Der gemütlich tuckernde Diesel gibt seine 120 PS über ein 5-Gang-Getriebe und gegebenenfalls Untersetzung an alle vier Räder ab. Ein Großteil der Originalbeladung ist vorhanden und gibt einen guten Blick auf den Stand der Technik der sechziger Jahre. Seine ersten Kilometer hat er 1961 im Siegkreis in der Gemeinde Uckerath zurückgelegt, 1993, also im stolzen Alter von 32 Jahren, ging der Rundhauber an die Freiwillige Feuerwehr Lehnin und war dort bei verschiedenen Ortswehren im Einsatz. Ende 2000 haben ihn die Brandbekämpfer ausgemustert, seitdem befindet er sich in den pflegenden Händen von Wolfgang Kotsch.
Technisch sehr ähnlich (selber Motor, ebenfalls Allrad) ist sein Mercur 120D Eckhauber. Er trat 1966 seinen Dienst an beim THW in den alten Bundesländern, 1993 wurde er in der Landesschule und Technischen Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz in Borkheide zum Hilfsrüstwagen umgebaut und gelangte so zur Freiwilligen Feuerwehr in Beelitz. Im Jahr 2000 wurde er ausgemustert, seitdem kümmern sich Wolfgang Kotsch und ein Fuhrunternehmer im Ruhestand um den markanten Deutz. Die feuerwehrtechnische Ausrüstung wurde leider ausgebaut, ansonsten ist aber alles am Fahrzeug betriebsbereit, so auch die schwere 4,5-Tonnen-Seilwinde, die über den Motor und das Getriebe angetrieben wird.
Der Auftritt des Eckhaubers ist beeindruckend. Die Räder, Achsen, das Fahrgestellt: alles scheint für die Ewigkeit – und noch ein paar Jahre länger - gebaut. Ein massiver Brocken Ur-Technik baut sich vor einem auf. Das klassische Nageln eines alten Diesels zusammen mit dem Rauschen der Luftkühlung machen den Sound dieses Eckhaubers aus.
Zu sehen sind die beiden Schwergewichte leider eher selten, bei Oldtimerveranstaltungen in der näheren Umgebung der Spargelstadt Beelitz kann man jedoch Glück haben.